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Oh, ein sehr komplexer Text, den ich gar nicht in Gänze aufzunehmen vermochte.

Zwei Assoziationen:

a) Im Jahr 1999 publiziert Anke Kirsch, Saarbrücken, in einer “Fachzeitschrift”, “Persönlichkeitsstörung - Theorie und Therapie”, einen Aufsatz über ihre Doktorarbeit. Sie hatte ungefähr 100 psychotherapeutische “Fachleute” per Fragebogen interviewt, woran sie denn erkennen würden, dass die ihnen geschilderte Erfahrung von sexualisierter Gewalt in der Kindheit der Realität entspreche oder der Fantasie. Ungefähr 2/3 der “Expert*Innen” schlossen auf eine “Fantasie”, “wenn die Betroffenen eher die Schuld beim Täter suchen” oder “wenn sie mit einer größeren Sicherheit davon ausgehen, dass das Ereignis tatsächlich stattgefunden hat”.

Ich selbst war damals - als niedergelassener Psychotherapeut - eingeladen, an dieser Befragung teilzunehmen. Bei mehreren der suggestiven Fragen konnte ich keine Antwort geben, weil ich einem Teil der Stellungnahme voll und ganz zugestimmt hätte, dem anderen Teil jedoch vollkommen widersprochen hätte. Es war jedoch nur eine einzige Antwort - Zustimmung zur Gesamtstellungnahme oder nicht - zugelassen. Deshalb hatte ich zu mehreren Fragen KEINE Antwort geben können. Offenbar waren ich selbst und zwei weitere Kolleg*Innen aus diesem Grund von einer “Auswertung” der Befragung ausgeschlossen worden.

b) Im selben Heft der PTT publiziert Otto Kernberg unter der Überschrift “Persönlickeitsentwicklung und Trauma” einen Vortrag, den er 1997 bei den “Lindauer Psychotherapiewochen” gehalten hatte. Dort berichtet er - neben diversen Ungeheuerlichkeiten - von einer Frau mit “Depressionen”, dass sie als eine vom Vater vergewaltigte Grundschülerin diese Situation “in typischer Weise … als einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter” erlebt habe. Sie müsse “ihre Schuld tolerieren”. Sie müsse auch lernen, “sich mit der Erregung des sadistischen, inzestuösen Vaters” zu “identifizieren” - was immer das heißen möge.

Kernberg wird bei seinem Vortrag von 1997 bei den “Lindauer Psychotherapiewochen” von über EINTAUSEND “Fachleuten” begeistert beklatscht. Im selben Jahr wird er zum Präsidenten der “Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung” (IPV oder IPA) gewählt.

Übrigens: Anke Kirsch hatte ihre “Doktorarbeit” bei Rainer Krause, Saarbrücken, abgelegt, der Kernberg als seinen “Freund” bezeichnet. Kernberg hatte, umgekehrt, bei Krauses Emeritierung den “Festvortrag” gehalten. Mein Protest dagegen fand so gut wie keine Resonanz.

Auch Rainer Krause publiziert übrigens einen Artikel in der PTT. Dort geht es um das “false memory”. Seine Botschaft: Wenn eine Patientin sehr direkt von einer Erfahrung sexualisierter Gewalt berichtet, dann ist eher Zweifel an dieser Darstellung angebracht. Wenn aber eine Patientin eine solche Erfahrung geradezu leugnet, dann darf man eher davon ausgehen, dass ein solches Ereignis real stattgefunden hat. Korrumpierte “Wissenschaftler*Innen” wollen uns eine verdrehte Sicht auf die Wirklichkeit einreden.

Quellen:

Otto F. Kernberg, “Persönlichkeitsentwicklung und Trauma”. Auditorium Netzwerk, 2 CDs, Audio-Aufnahme seines Vortrages bei den “Lindauer Psychotherapiewochen”,1997 (Auditorium Netzwerk)

Otto F. Kernberg: “Persönlichkeitsentwickluing und Trauma”. In: Persönlichkeitsstörungen: Theorie und Therapie (in: PTT, Jahrgang 3, Heft 1, 1999, S. 5-15

Anke Kirsch: “Trauma und Wirklichkeits(re)konstruktion: Theoretische Überlegungen zu dem Phänomen wiederauftauchender Erinnerungen” (in: PTT, 1999, Jg. 3, Heft 1, S. 45–54

Rainer Krause: “Trauma und Erinnerung” (in: PTT, Jahrgang 3, Heft 1, 1999, S. 36-44)

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